Noch tobt der 30jährige Krieg. Aber zwischen 1643 und 1648 galoppieren Friedensreiter von Osnabrück nach Münster und zurück. Sie bringen Nachrichten über die Friedensverhandlungen und verkehren zwischen
den Lagern. Im evangelischen Osnabrück diskutieren die Gesandten der protestantischen Reichsstände, des Kaisers und der Schweden. Im katholischen Münster verhandeln der Kaiser, die katholischen Reichsstände, Frankreich, Spanien und die Niederlande sowie Vertreter aus der Schweiz.
Noch laufen bei uns keine Friedensverhandlungen. Aber die gesellschaftlichen Lager existieren bereits.
Unter dem Stichwort „Polarisierung“ wird heute diskutiert, wie weit sich gesellschaftliche Interessensgruppen voneinander entfernt haben. Auf der einen Seite die gesichert rechtsextremen Kräfte auf der anderen Seite das demokratische Spektrum. Die Lager ringen nicht miteinander, sie sprechen nur übereinander. Das muss sich ändern.
Wer in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um die Zukunft der liberalen Demokratie eingreifen will, muss verfeindete Lager miteinander in Kontakt bringen, muss Haltungssicherheit mit Handlungsklugheit verbinden, sachlich diskutieren in streng reglementierten Foren, Kontakte pflegen und Debatten führen, ohne kontroverse Überzeugungen über Sinn und Form der Demokratie auszusparen.
Wir bilden vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, mitten im Lager-Wahlkampf, Friedensreiter aus, Menschen, die zwischen den Lagern agieren können und wollen, ohne abzuwiegeln, ohne Kompromisse bei den Bürgerrechten, ohne Menschenscheu.
Der Ausbildungsparcours
1. Wochenendseminar vom 19.–21. Juni 2026 im Augustinerkloster Erfurt
• Erfahrungen der Teilnehmenden mit Demokratieskepsis und Lagerbildung.
• Welche Strategien gibt es (Öffentlichkeit herstellen, Haltung markieren und zugleich in Kontakt
bleiben, Zugang zu Unentschiedenen)?
• Gesellschaftsanalysen (Populismus als regressive Kehrseite der Globalisierung, Repräsentative
Demokratie und Elitenkritik, Polarisierung und kulturelle Hegemonie, Lagerhaltung und
Handlungsspielräume)
• Was sind Prekäre Dialoge und wie moderiert man sie? (Hiddemann)
• Systemische Analyse und lösungsorientierte Konfliktbearbeitung (Schwermann)
• Projektentwicklung
2. Zwischen den ersten beiden Wochenenden arbeiten (regionale oder projektbezogene) Gruppen, wöchentlich findet eine Videokonferenz statt zur kollegialen Beratung und ggf. Supervision, Durchführung einiger Projekte
3. Wochenendseminar vom 7.–9. August 2026 im Evangelischen Zentrum Kloster Drübeck
Inspiration durch Methoden und Modelle (DemoSlam der MAGNET, Werkstatt für Verständigung.
Performative Methoden im öffentlichen Raum, angeleitet durch die Schauspielerin und Konzeptkünstlerin
Elisa Ueberschär)
4. Weiterarbeit in den bisherigen Gruppen, Realisierung aller Projekte, ggf. Entwicklung und Durchführung
eines zweiten eigenen Projektes bei kollegialer Beratung und Supervision durch Videokonferenzen.
5. Liturgische Aussendung der Friedensreiter durch Landesbischof Friedrich Kramer im Magdeburger Dom.
6. Wochenendtagung am 18.–20. September 2026 mit Auswertung der Aktionen
Zielgruppe, Anmeldung und Kosten 12–17 hauptamtliche oder ehrenamtliche Akteure aus den Reihen der EKM, Engagierte aus der Zivilgesellschaft
Anmeldung bitte bis zum 31. Mai 2026 via Mail an: friedensreiter@oekumenische-akademie-ostthueringen.de
Die Teilnehmenden beteiligen sich an den Kosten für Programmgestaltung, Unterkunft und Verpflegung und zahlen für die gesamte Ausbildung einen Eigenanteil von € 100,-.
Öffentlichkeit
Die Teilnehmenden willigen ein, in jeder Phase der Ausbildung Teil der Öffentlichkeit zu sein. Die Ausbildung soll durch fortlaufend medial begleitet und dargestellt werden.
Leitung
OKRin Petra Schwermann, Leiterin des Dezernates Bildung und Gemeinde der EKM
Pfarrer Dr. Frank Hiddemann, Leiter der Ökumenischen Akademie Ostthüringen



