Cringe.
Seit ungezählten Jahren bin ich bei Facebook unterwegs. Ursprünglich war meine Idee, über diesen Kanal jüngere Menschen zu erreichen und zu Veranstaltungen einzuladen.
Ich habe bei meinen Einladungen auch immer viele „Likes“ geerntet und auch Zusagen.
Erschienen ist dann von denen meistens niemand und irgendwann hat mir ein Medienpsychologe (Was es nicht alles gibt!) erklärt, dass bei den Eingeladenen, die auf [Ich nehme teil] geklickt haben, das Gefühl besteht, tatsächlich teilgenommen zu haben. Praktische Sache…
Dann – vor einiger Zeit – sagte mir ein jüngerer Zeitgenosse, Facebook sei „etwas für Leute mit Rollator. Voll CRINGE!“
(Ich musste erst mal googeln, was das Wort „cringe“ – ausgesprochen: krindsch – überhaupt bedeutet; nämlich: peinlich, unangenehm und fremdschamerregend (Was es nicht alles gibt!) und es wurde zum Jugendwort des Jahres 2021 gewählt. (Quelle: Focus)
Tja. Da haben wir es also: Ich bin voll cringe und in meinem Alter darf man das.
Und deswegen gucke ich bei Facebook immer mal vorbei und bekomme allerlei Werbung angezeigt, häufig für Stützstrümpfe, aber neulich auch für ein Medikament namens „DIASPORAL“.
Das hat mich dann doch interessiert. Denn ich habe die längste Zeit meines Berufslebens in Anhalt verbracht, wo die Christen in der Diaspora leben, also weit verstreut und in der Minderheit. Ich habe in Orten Dienst getan, in denen die Christen 4,6% der Bevölkerung ausmachten – Katholiken und Protestanten zusammen genommen!
Und jetzt wurde mir auf Facebook ein Medikament dagegen angeboten: Diasporal! Die Lösung all unserer kirchlichen Demografieprobleme!
Wie soll das gehen? Mischen wir das heimlich ins Trinkwassernetz und mit ein wenig Geduld sind die Christen in der Mehrheit?
Nein. Leider wird das nicht funktionieren…
Da müssen wir uns schon etwas anderes einfallen lassen. „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“, in unserem Falle: beim Evangelium…
Außerdem musste ich dann feststellen, dass DIASPORAL gedacht ist für ältere Menschen, die sich nicht mehr so richtig bewegen können.
Also für die, die „voll cringe“ sind.
Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Arne Tesdorff
(Foto: Rollator neben Kinderwagen in der Kirche Bernsgrün)



